Ob im Homeoffice über ungesichertes Hotel-WLAN, beim Zugriff auf Firmenressourcen von unterwegs oder einfach, um die eigene IP-Adresse nicht bei jedem Website-Besuch preiszugeben – ein VPN gehört inzwischen zur Grundausstattung. Proton VPN kommt von Proton, dem Schweizer Unternehmen hinter Proton Mail, das von ehemaligen CERN-Wissenschaftlern gegründet wurde. Wir haben den Dienst mehrere Wochen produktiv genutzt und prüfen in diesem Artikel den kompletten Funktionsumfang – von der Verschlüsselung bis zum kostenlosen Plan.
Die Proton-VPN-App zeigt NetShield-Statistiken (blockierte Werbung, gestoppte Tracker) direkt im Hauptbildschirm – hier geroutet über einen Secure-Core-Server in der Schweiz.
Sicherheit und Verschlüsselung
Proton VPN setzt auf die etablierten Protokolle WireGuard, OpenVPN und IKEv2 mit AES-256- bzw. ChaCha20-Verschlüsselung sowie Perfect Forward Secrecy, sodass ein einzelner kompromittierter Schlüssel nicht rückwirkend ganze Sitzungen entschlüsseln kann. Besonders relevant für die Vertrauenswürdigkeit: Die Apps sind Open Source und wurden mehrfach von unabhängigen Sicherheitsfirmen auditiert, die No-Logs-Politik ebenfalls. Als Schweizer Unternehmen unterliegt Proton weder EU- noch US-Vorratsdatenspeicherungspflichten – ein Standortvorteil, den auch andere Proton-Dienste wie Proton Mail für sich nutzen.
Secure Core und Stealth-Protokoll
Mit Secure Core leitet Proton VPN den Datenverkehr optional zunächst über einen eigenen, besonders gesicherten Server in einem privatsphärefreundlichen Land (Schweiz, Island, Schweden) und erst von dort zum eigentlichen Ausgangsserver – das schützt gezielt vor Angriffen auf Netzwerkebene, bei denen ein Angreifer versucht, VPN-Ein- und Ausgang durch Traffic-Korrelation demselben Nutzer zuzuordnen. Wer in einem Land mit VPN-Blockaden oder strenger Zensur unterwegs ist, kann zusätzlich das Stealth-Protokoll aktivieren, das VPN-Verkehr wie gewöhnlichen HTTPS-Traffic aussehen lässt und so Deep-Packet-Inspection-Filter umgeht.
NetShield und VPN Accelerator
NetShield ist der integrierte Blocker für Werbung, Tracker und bekannte Malware-Domains – im Test wurden zuverlässig Pop-ups, Banner-Werbung und Tracking-Skripte auf normalen Nachrichtenseiten unterbunden, was nebenbei auch den Seitenaufbau spürbar beschleunigt. Die hauseigene VPN-Accelerator-Technologie optimiert gleichzeitig die WireGuard-Implementierung auf Protokollebene, um Geschwindigkeitseinbußen durch die Verschlüsselung möglichst gering zu halten – in unseren Tests lagen die Einbußen gegenüber der ungeschützten Verbindung meist im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, bei Serverstandorten in der Nähe oft nur knapp darunter.
Server-Netzwerk und Streaming
Das Gesamtnetzwerk von Proton VPN umfasst Stand August 2026 mehr als 20.000 Server in über 145 Ländern, der Plus-Plan allein gibt Zugriff auf über 17.800 Server in 129 Ländern. Damit lassen sich zuverlässig Geoblocking-Sperren umgehen – im Test funktionierte das Entsperren von Netflix-Bibliotheken verschiedener Länder ebenso wie der Zugriff auf BBC iPlayer aus dem Ausland. Für P2P/Torrenting stehen dedizierte Server bereit, inklusive Port-Forwarding-Option für bessere Verbindungsraten.
Serverstandort wechseln und Streaming-Bibliotheken anderer Länder entsperren – in der App nur wenige Klicks entfernt.
Weitere Funktionen im Überblick
| Funktion | Beschreibung |
|---|---|
| Kill Switch | Kappt die Internetverbindung automatisch, sobald die VPN-Verbindung abbricht |
| Split Tunneling | Einzelne Apps oder IP-Bereiche gezielt am VPN vorbeileiten |
| Tor over VPN | Direkter Zugriff auf das Tor-Netzwerk über spezielle .onion-Server, ohne separaten Tor-Browser |
| Multi-Hop / Secure Core | Vorgeschalteter Server in einem privatsphärefreundlichen Land vor dem eigentlichen Ausgangsserver |
| Geräte gleichzeitig | Bis zu 10 Geräte pro Konto (Plus- und Unlimited-Plan) |
| Plattformen | Windows, macOS, Linux, Android, iOS sowie Router- und Browser-Erweiterungen |
Der kostenlose Plan – kein übliches Lockangebot
Anders als die meisten „kostenlosen“ VPN-Anbieter verzichtet Proton VPN Free auf Datenlimits, Werbung und künstlich gedrosselte Geschwindigkeit – finanziert wird das Modell durch die zahlenden Plus- und Unlimited-Kunden. Eingeschränkt ist lediglich die Serverauswahl (Server in rund 10 Ländern, darunter Schweiz, Kanada, Norwegen und Singapur) sowie die Geschwindigkeit gegenüber den priorisierten Bezahl-Servern. Für den gelegentlichen Einsatz oder als Einstieg vor einem Umstieg auf einen bezahlten Plan ist das ein ungewöhnlich fairer Kompromiss.
Pläne, Preise und Proton für Unternehmen
Neben dem kostenlosen Plan bietet Proton VPN Plus (nur VPN, alle Server- und Sicherheitsfunktionen) sowie Proton Unlimited, das zusätzlich Proton Mail, Proton Drive, Proton Calendar und Proton Pass in einem Abo bündelt. Die Jahres- und Zweijahres-Abos senken den monatlichen Preis gegenüber der Monatszahlung deutlich; eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie gilt auf allen kostenpflichtigen Plänen. Für Unternehmen gibt es zudem eigene Proton-for-Business-Pläne mit zentraler Nutzerverwaltung – für Teams, die Mitarbeiter-Notebooks im Homeoffice oder unterwegs absichern wollen, aus unserer Sicht eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Firewall- und VPN-Infrastruktur.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Schweizer Datenschutzrecht, auditierte No-Logs-Politik, quelloffene Apps
- Secure Core und Stealth-Protokoll bieten Schutzniveau über dem Marktdurchschnitt
- Kostenloser Plan ohne Datenlimit, Werbung oder künstliche Drosselung
- NetShield und VPN Accelerator sind spürbare Alltagsvorteile, nicht nur Marketing-Begriffe
- Bis zu 10 Geräte gleichzeitig auf allen Plattformen
Nachteile
- Kostenloser Plan mit eingeschränkter Serverauswahl
- Monatspreis ohne Jahresbindung vergleichsweise hoch
- Secure-Core-Server erhöhen die Latenz spürbar gegenüber direkten Verbindungen
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Unser persönlicher Proton-Empfehlungslink. Wer sich darüber neu bei Proton registriert und anschließend einen bezahlten Plan abschließt, erhält ein Guthaben auf das eigene Konto – und auch wir profitieren als Empfehlende davon. Für Sie entstehen dadurch keine Mehrkosten.
Fazit
Proton VPN überzeugt uns vor allem dort, wo es bei vielen anderen Anbietern dünn wird: nachvollziehbar auditierte Sicherheit, ein Firmensitz außerhalb von EU- und US-Zugriffsregimen und ein kostenloser Plan, der den Namen auch verdient. Wer ohnehin schon Proton Mail oder Proton Drive nutzt, bekommt mit Proton Unlimited ein rundes Gesamtpaket. Für Unternehmen, die Mitarbeitenden im Homeoffice oder auf Reisen eine zusätzliche, verschlüsselte Verbindungsebene an die Hand geben wollen, beraten wir gerne zur sinnvollen Einbindung in ein bestehendes Sicherheitskonzept.